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Nach einer Idee von Egon Tenert


Haben Sie ein Alkoholproblem?

Wollen Sie sich das Rauchen abgewöhnen?

Haben Sie in Ihrem Leben nichts zu lachen?


Ist Ihnen die Schwarzwaldklinik zu bieder?

Der Zauberberg zu philosophisch?

Grey´s Anatomy zu hektisch?

 

Dann empfiehlt ihnen Dr. Trinkmann eine Radikalkur auf seiner Intensivstation.

Nebenwirkungen sind dabei nicht auszuschließen: Lachen bis der Arzt kommt!


Zwei alte Schulkollegen treffen nach vielen Jahren zufällig im Krankenhaus aufeinander.
Professor Pfeifenberger hat seine Lunge als Kettenraucher ruiniert,
der Journalist Weinzierl seine Leber durch exzessiven Alkoholkonsum.
Die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen, denn es gibt alte Rechnungen zu begleichen,
und beide haben ihre Leichen im Keller ...
 

 


Regie, Ton, Produktion, & Layout: EgonTenert
Fotos: Seppo Gaube, Egon Tenert
Musik: Don Giovanni von W.A. Mozart


Aufgenommen und produziert 2005 in Graz


 

 

 

 

Die Personen:


Mag. Harald Pfeifenberger (54), Gymnasiallehrer, geschieden, Raucher mit Lungenkrebs


Manfred Weinzierl (55), Redakteur, geschieden, Alkoholiker mit Leberzirrhose


Diplom-Schwester Rosemarie (40)

 

 

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Aus einem Cassettenradio klingt die Arie "La ci darem la mano" aus Mozarts Don Giovanni, unterbrochen durch einen schweren Hustenanfall, Schnäuzen und Spucken.


Pfeifenberger:
Aaah, das ist ja ein Wahnsinn, wie das sticht in der Brust …

(Auf den Klingeldruck
antwortet aus dem Lautsprecher eine Schwester):
Ja bitte, Herr Professor, brauchen Sie
was?

P
Schwester, ich hätt´ gern noch einen Tee, und die Hustentropfen sind auch schon wieder aus.

S
Einen Moment, bitte, ich schick´ sie Ihnen gleich ...

(Die Tür öffnet sich, eine Krankenschwester tritt ein.)

P
Ah, die Schwester Rosi hat auch wieder mal Dienst bei uns?
Sie sind mir ja schon direkt abgegangen, hab schon fast Entzugserscheinungen …

S
Sie alter Schmeichler, das sagen´S doch zu aner jeden!

P
Also erstens bin ich gar nicht soo alt, und zweitens mein´ ich das ganz ehrlich!

S
So, da wär der Tee, soll ich einschenken? Und die Hustentropfen gleich dazu?

P
Ja, gute Idee, dann sind sie net gar so bitter.
Wie spät ist es eigentlich, es muss doch schon mindestens halb 11 sein?

S
Fast dreiviertel, warum? Sie haben doch jede Menge Zeit. Was haben Sie denn vor?

P
Eigentlich nix, nur so ...
Aber soo viel Zeit hab ich auch wieder net, das spür´ ich schon.
Mit dem Fuchsbichler, vom Bett da drüben, war´s auch schneller vorbei als man glaubt hat ...

S
Ja, das war tragisch, die Komplikationen bei der OP,

aber bei Ihnen wird das schon wieder, nur keine Angst!

P
Lang wird das Bett ja nicht leer bleiben … bin schon neugierig, wer da eina kommt …

(Pfeifenberger sitzt mit dem Rücken zur Tür, als die Schwester mit Weinzierl hereinkommt.)

S
Es tut mir wirklich leid, Herr Weinzierl, aber wir haben heute einen Notfall hereinbekommen,

für den haben wir dringend das Zimmer gebraucht, aber sobald es wieder frei ist, können Sie es dann natürlich haben.

Einstweilen müssen Sie aber mit einem Zweibettzimmer Vorlieb nehmen, Sie werden sehen, das ist gar nicht so schlimm, ein bisserl Gesellschaft kann ja nicht schaden!

W
Ich werd´ mich beschweren - da zahlt man sein Lebtag für die erste Klass´,

und dann kommt man in ein Zweibettzimmer - was die eigentlich glauben, mit wem sie´s z´tuan hab´n!
Mei, is mir schlecht, ah, i muass mi hinlegen …
Ah, da drüben hockt einer … s' Gott, Herr Nachbar!

P (dreht sich um)
Die wehleidige Stimm´ kenn ich doch - natürlich, der Weinzierl !
Tuat wie immer ganz wichtig, der Fredi…
Ehrlich g´sagt, wär´ ich eigentlich aa lieber allein blieben,
aber man kann sich´s ja net aussuchen ...

W
Tatsächlich! Das darf doch net wahr sein! Der Harald!
I wea narrisch! Ausg´rechnet da sehn wir uns wieder, schon komisch …

In an Beisl hätts ma mehr g´falln. Müssen mindestens zehn Jahr her sein seit unserm letztn Radierer im Theatercafé, fett wia die Eseln warn ma, i jedenfalls ...

P
Und wegen was bist du jetzt da?

W
Mi hat´s auf der Leber erwischt ... die Werte schauen net so gut aus.

I wollt´ ja auf der Milz weitersaufen, aber jetzt ist aa noch a Gelbsucht dazuakommen …
Wann i a Glück hab, kriag i a neue Leber, sonst kann ich absalutieren!

P
Du hast ja auch nie ein volles Glasl stehen lassen.
“Auf einem Fuß steht man net“, hast immer g´sagt, aber du warst ja schon eher ein Tausendfüßler!

W
Und was ist mit dir los ? Du hast aa schon einmal besser ausgschaut!

P (Hustet, schnäuzt sich):
Ich hab´s auf der Lungen. Vielleicht hätt´ ich doch nicht gar so viel rauchen sollen ...

W
Ja, g´raucht hast wie ein Schlot, des komische Kraut da, ohne Filter,
diese „Goloahs“, die bringen sowieso an jeden um. Die Luft bei dir war ja immer zum Schneiden,

direkt zu Grausen ...
Wie des dei´ Frau mit dir ausg´halten hat?

W (beginnt summend und pfeifend seine Tasche auszupacken und einzuräumen.)

P
Du willst also warten, bis dir wer sei´ Leber vererbt?
Die wird aa net lang halten, wie ich dich kenn, du brauchst ja eigentlich ane aus Plastik. Und jetzt im Winter ist auch kaum wer mit der Maschin unterwegs ...

W
Irgend so ein Trottel wirds wohl wissen wollen, ob er net aa auf Schnee a Weltmeister is...! -
Naja, jetzt heissts einmal warten und schaun, was die gscheiten Herrn Doktores noch auf Lager haben … san ja eh alles Pfuscher, denkn nur an den Flieda! Hauptsach, du lieferst den Krankenschein ab.

Schau aussi beim Fensta, da drübn am Hubschrauberlandeplatz bringen´s de ganzn Krüppln daher - werdn da zsammengflickt, aufpapperlt - und husch, wieder aussi in die Welt -

is denen eh wurscht, wies´d dann leben musst mit an Holzfuaß oder ana Ersatzpumpn ...
Vielleicht hat die Leber doch no a Einsehen und springt ma noch einmal an.

Ich hab halt gern die Gurgl a bisserl g´schmiert, aber dass es einmal so weit kommt …
Aber DU warst ja immer so schlau! Dass DU das riskierst und dein Beuschel mit Teer asphaltierst!

P
Naja, was heisst schon schlau? Wenn wir in Amerika wär´n, könnt´ ich mich dumm stellen und die Zigarettenfirma klagen, weil´s mich net rechtzeitig g´warnt haben vor dem Risiko.

Die Amis sind ja nämlich auch so blöd und wählen den Bush, und dabei ist der ja noch viel schlimmer als ein jeder Krebs ...
Natürlich hab ich immer g´wusst, dass mir die Glimmstengeln net gut tun, aber wenn man´s einmal g´wöhnt ist, dann geht das ganz automatisch, mit Hirn auf Leerlauf ...

Erst wenn schon wieder ein Packerl leer ist, und aa ka Nachschub in Reichweite, denkt man kurz nach ... oder wenn man zum ersten Mal Blut spuckt ...
Also, blöd stellen, das hast du wirklich immer drauf g´habt …

Wenn i denk was du so beim Militär aufg´führt hast … Die Ausbildner hast direkt zur Verzweiflung trieben, die blöden Bauernbuabn.
Alles hast falsch g´macht, was ma nur falsch machen´kann, als ob´sd´ zwaa linke Händ hättst.

Ein g´rissener Hund warst da eigentlich schon, des muaß dir der Neid lassen.

Auf die Art haben´s dir nie was tuan können, gegen Blödheit is ma anfoch machtlos …

W
Ja hätt i an Befehl verweigern sollen? Da war´s schon besser, i seil´ mi mit dem Schmäh ab …

Die blöden Schweine … 8 Monat von unser´m Leb´n beim Teufel, für nix und wieder nix …

Das is jetzt aa schon so lang her, aber jetzt könnt´ ma die verlorene Zeit brauchen, wer waaß wia lang mir noch hab´n…
Vor an halben Jahr is mir auf einmal schwindlig g´worden, in der Panik hab i dann sogar no an Cognac ´kippt .. und dann bin ich aufgwacht am Boden im Häusl .. der Notarzt hat gsagt "cirrhosis hepatis" und mi´ glei´ eing´wiesen ...

Und jetzt hat´s mi schon wieder aufg´stellt …. Dabei war ich grad jetzt an einer großen Sache dran ... endlich die richtigen Kontakte - eine Goldader, sag ich dir!

P
A richtig heiße Story, a ordentlicher Skandal? Dann kannst mir wahrscheinlich eh nix Konkretes sagen, kane Namen ... aber was sollt´ ich auch damit anfangen? Jetzt ist ja sowieso schon alles egal ...

W
Es geht um Folklore-Festspiele - brauchst eh nur die richtigen Leut, die Stadtoberfuzzis, im richtigen Moment die Idee unterjubeln - und dazu ein paar kulturgeile Unternehmer - muaßt mit ihnen tschechern und ihnen das Goderl kratzen und a paar Namen fallen lassen -

Ein, zwei Stars - ich sag dir, da san´s dann nimmer zum Halten - und ich hätt´die Fäden zogen als Organisator. Ja, da war ich ganz knapp dran, und dann passiert mir des !

P
Festspiele? - Bei uns? Und ausgerechnet DU wolltest das organisieren?
Na ja, ein G´schaftlhuber warst ja schon immer, und hinterm Geld her wie der Teufel hinter der armen Seel´. Aber: Das letzte Hemd hat kane Taschen, und mehr als 6 Brettln wirst du aa net brauchen ...

W
Ha, ha, immer witzig, der Herr Philosoph - aber im Ernst - ohne Geld ka Musi, du waaßt eh -

und i hab halt z´erst die Musik entdeckt und dann das Geld - hast du eine Ahnung, um was für Summen des geht - schon allaan offiziell, und dann erst inoffiziell - dort muss man sich anstellen - halt ein Bisserl in der „Schürie“ Stimmung machen für den an oder den andern - geht eh ganz leicht - wenn man gute Informanten hat, geht´s noch besser - die kosten halt aa was - aber es zahlt sich aus - einmal warn's zehn Riesen, die ich bei so aner Superäktschn g´rissen hab - die Sulmtaler Bergspatzen a Bisserl proteschiert - dafür san die Oberlandler aussigflogn aus´m Programm - man darf sich halt net nur in der gehobenen Musikszene bewegen - unters Volk muass ma!

P
Unters Volk? Ich kann mir schon vorstellen, was du meinst: Ein Woodstock für G´scherte, an Mutantenstadl rund um die Uhr, und das tagelang!
Es ist ja traurig, aber wahr: Mit dem Schwachsinn kann man sich ja wirklich am leichtesten g´sundstoßen, aber mit echter Kultur nie und nimmer! Der volksdümmliche Kitsch passt ja aa so gut zu der schleimigen, selbstzufriedenen österreichischen G´miatlichkeit, mit der sich die ganzen Senilen und Unterbelichteten das Hirn vernebeln lassen.


(schaltet seinen CD-Player am Nachtkastl ein, Pavarotti singt eine Arie aus Don Giovanni)


DAS ist noch Kunst, die was mit Können zu tun hat, aber auch die Opern kann man sich eigentlich nur mehr daheim anhören, weil die modernen Inszenierungen sind ja ein Graus!

Aber DU find´st sowas ja noch gut - wenn ich dran denk, was du da in deine Kritiken so z´sammenschreibst ... Entweder bist blind und taub, oder du lasst di für die Lobhudelei schmieren!

W
Was willst denn? - hätt i wirklich die Wahrheit schreiben solln? die ganzn Kulturtrottln tätn mi fressn, wenn i des tät! - die falln über di her wie ein Wolfsrudel, wenn'st ihnen die Wahrheit sagst -

Des is a eigene Welt, sag i dir - a richtige Packlrass - aber i leb davon - schmier ihnen Honig ums Maul und dein Konto freut sich! - die Sänger zum Beispiel - a jeder halt si für den neuen Caruso, dabei singans manchmal an richtigen Stuss zsammen, und de grissenen Hund lassn nix anbrennen, glaub mas -

Da halten alle dicht , da erfahrst nur unwichtige Sachn - Nebensächlichkeiten - freilich, aa daraus lasst sich a schöne Story stricken - aber an die wirklich heißen G´schichterln kommst net - höchstens du g´hörst dazu und machst selber mit..

P
Ich hab mich immer g´fragt, warum ausgerechnet du zu einer Zeitung gangen bist!
Wenn ich an deine Deutsch-Schularbeiten denk …

Dass du damit durchkommen bist, versteh ich heut noch net, aber: da Papa wird´s schon richten … war ja praktisch jede Wochen in der Sprechstund und hat interveniert…

W
Kannst dich noch an den Wurmerl erinnern? - der Klassenprimus -

I weiss gar nicht mehr wie er wirklich g´heissen hat - wir hab´n immer glaubt, dass er amal a riesige Karriere macht - mindestens Präsident oder Bischof oder so was - Den hat´s auch aufgstellt später - nachn Bundesheer hat er zum Saufn angfangt und hat Meteorologie studiert - a brotlose Kunst -is nie fertig wurn - hats si dann aufghängt - da Wurmerl! - wer waaß, was ihm da erspart bliebn is - i hob nie gwusst, was i werdn wollt - war mir aa irgendwie immer wurscht - irgendwas, was schnell geht - a Kurzstudium - aber sogar das war mir z´viel - da bin i halt zur Neuen Zeit gangen - zuerst Lokalredaktion - dann ist die Kultur dazu kommen - war ganz super - a neue Welt - genau richtig für mi - und dazu natürlich da Suff, da Koks, da ganze Wahnsinn - da war i daham - das Revolverblattl hat si für mi interessiert - habn an Experten braucht für die Klatschspalten - a richtiger Adabei bin i worn - ka Vernissage ohne mi - ka Sautanz ohne mi - ka Kunstereignis ohne mi - bin mir ganz wichtig vorkommen - ich Trottl - aber schön wars trotzdem, und das Geld hab ich natürlich aa braucht, zum Saufen und für meine Weiber!

P
Ja das kann ich mir schon denken, dass dich die Damen ganz schön was kosten ... und dann noch die Alimente für die Tochter, die´s der Erna ang´hängt hast ...

Wie lang wird dir die noch auf der Taschen liegen ... muss wohl schon 17 sein oder so ...

W
Erinner mi net daran - de Schlampn - is mit an Kameltreiber abpascht - die Schul hat´s abbrochen, der Trampel - „die grosse Liebe“, hat´s g´sagt - und dass i a schlechter Vater war, a Arschloch, wortwörtlich - nie hätt i Zeit ghabt für sie - freilich, wie hätt i später dann Zeit habn solln -der Kampf ums Geld -

Die Hand aufg´haltn habens schon immer - die kleine Mitzi samt ihrer Mutter - die Luadarn - i derf mi ja net aufregn - sonst trifft mi no der Schlag!

P
Ja, die lieben Kinder! Manche machen an´ halt nur ein einziges Mal eine Freud: 9 Monat vor der Geburt! Und wegen die paar Minuten hast dann dein Lebtag nur Scherereien.
Ka Wunder, dass immer weniger sich das antun wollen ...

Die Ausländer sind bald die einzigen, die noch für an Nachwuchs sorgen, und irgendwann san WIR dann die Minderheit. Dann ist´s vorbei mit Wein, Weib und Gesang, dann kannst nur mehr den Gebetsteppich ausrollen! Fast ein Glück, dass wir das net mehr erleben werden ...

W
Da hast sicher recht - aber ich war ja noch blöder - ein zweit´s Mal hab i no heiraten müssen - i Hornochs! - aber wennst immer in der Gluat bist, verstehst, dann verlierst den Überblick - glaubst immer, es wird irgendwann besser werdn -

Je mehr ´sd´ gibst, umso mehr Geld wollens, die Weiber- Genug is nie genug - bist nimmer kannst - und dann immer die Liebesgrüße von der Bank von wegn Minusstand am Konto - da kommt Freude auf!

P
Die Sorgen hab ich wenigstens nie g´habt - weisst eh, mei Hilde hat ja von daheim genug Flieder mitbracht und dann auch noch schön g´erbt, und selber auch net schlecht verdient ... sogar besser als ich selber ...und mir das auch bei jeder Gelegenheit unter die Nas´n g´rieben, was ich für ein Versager bin, weil ich noch immer net Direktor bin ... aber den Herrn Sohn immer nach Strich und Faden verwöhnt, jeden Wunsch von die Augen abg´lesen ... wir hab´n ja g´sehen, wohin des führt ...

W
Die Kinderlein! - zuerst saufst dich an bei der Geburt - dann saufst,
weil´s immer an Wirbel machen- und dann saufst, damit´s du´s ausn Kopf kriagst, de Gfrasta -
Mein Trutscherl hat si an Türken g'angelt - als ob die das gwisse Etwas hättn - an Superschwanz oder so was - Er hat ihr natürlich gleich an G´schrappen g´macht, und jetzt darf´s fast gar net mehr aus´m Haus … von mir aus soll´s an Schleier tragn, de Gurkn - bin froh, wann i´s nimmer seh …
Was macht dein Bua eigentlich jetzt? - hab ihn schon lang nimmer gsehn -

A gscheit´s Bürscherl - a bisserl g´schreckt halt...

P
(tonlos)
Nix ... gar nix macht er ....
(schreit)
Tot is er, verstehst , schon seit an halben Jahr, sag bloss du hast das net g´wusst ...
Du waßt ja sonst aaa alles, steckst überall dei Nasen eini ...

und außerdem bist du selber ja auch irgendwie schuld !!

W
Was? Ich soll schuld sein? Du spinnst ja!

Du Superpädagoge hast dahaam als Vater versagt, hast dich viel zu wenig kümmert um den Hannes.

Ich hab ihn wenigstens a bisserl unter die Leut ´bracht, sonst wär er eh nur der gleiche fade Stubenhocker und Bücherwurm worden wie du!

P
Unter die Leut´ bracht! Zuerst auf die schiefe Bahn hast ihn bracht, und nachher unter die Erd´ !
Die Leut´, die er durch dich kenneng´lernt hat, waren ja nur lauter Hallodris und Süchtler wie du, nur jünger!
(starker Hustenanfall, er keucht, schnappt nach Luft)


Z´erst hat er noch Haschisch g´raucht, mir is der süaßliche Geruch eh gleich aufg´fallen … aber da hab i´s noch net so ernst g´nommen, hab g´laubt dabei bleibt´s … bis i dann amal die Spritzen g´funden hab … da war´s eh schon fast z´spät … natürlich hat er a Menge Geld braucht, hat alles versilbert was net niet-und nagelfest war …. Und die Hilde hat des a noch deckt … und i war der Unmensch, der ka Verständnis hat … Wir hab´n immer mehr g´stritten, und wie der Hannnes …


(hustet, schneuzt sich) wie i´ ihn dann so dalieg´n g´seh´n hab …
I hab glaubt i drah durch, und die Hilde is ganz hysterisch word´n … ohne den Hannes war´s dann mit uns aa bald aus … sie hat die Scheidung eing´reicht … die ganze Familie tschari …. Und jetzt als Draufgab´ hat´s mi aa noch erwischt (langer Hustenanfall)

W
Ich weiss genau, was du denkst: recht g´schieht ihm, hat immer nur gsoffn und g´hurt - Und jetzt kriagt er die Rechnung …. Man zahlt halt sein´ Preis für sei´ Leb´n . Ich wollt´s lang net wahrhabn dass manches vorbei is - die ganzn schönen Sachn - vom Alk bis zur Matratzn - die feschn Madln und die lebenslustign Weiba - ja, da warn Superhasn dabei, sag i dir - hab´n mi ausgsaugt bis aufs Bluat … aber schön wars trotzdem - rauschig hamtanzen - alles so leicht - die Wöd draht si, i drah mi - und jetzt hab i´n Scherm auf …
Jaa, ich bin der Trottel bliebn, der i immer schon war - aber du?

I frag mi: wie kanns an Heilign aa erwischn? - an Saftzuzzla, an Sparmeister, hat dir alles nix g´nutzt - man kann si das Leben net aufsparen - im Gegenteil, mein Herr, DU hast alles doppelt versaamt …

P
Woher willst du wissen was ich denk´ ?
Du bist halt noch immer der alte Zyniker, der die anderen genau das zutraut wie er selber ist.

W
Ich hab dich doch immer durchschaut, du Moralapostel, der andere kan Spass gönnt, weil er selber so verklemmt ist!

P
Nur weil ich nicht gleich alles an die große Glock´n häng und so protz wie du, heisst das noch lang nicht, dass ich aus Holz bin und auf alles verzicht. Ein Gentleman geniesst und schweigt, aber das verstehst du halt net!

W
Ja natürlich, der Herr Professor ist ein Gentleman, und ich bin immer nur der ewige Prolet!

P
Das sagst du mit deine Komplexe, dabei hab ich nur gemeint, dass Diskretion für dich ein Fremdwort ist! Mein Lieber, wenn du wissatst ... jetzt ist es ja eigentlich schon egal ...

Frag doch einmal die Erna, dann wirst aufwachen ..

W
Die Erna?

P
Ja, dei treue brave Frau Gemahlin, die´sd´ so oft allein hast sitzen lassen.
Und wenn´sd´ schon einmal daheim warst, ist sie meistens aa z´kurz gekommen, weil du in deinem Dusel schlapp g´macht hast ...

W

Das hat sie g´sagt??

P

Sie hat mir mehr erzählt als du dir vorstellen kannst ... du weisst eh, i kann gut zuhören ...

Und i bin aa immer hilfsbereit, wenn Not am Mann ist ...

W

Was soll denn das heissen?
Du willst doch net sagn, dass Du´s´ dann packt hast? Ich kanns net glaubn, der scheinheilige Harald ein Abstauber! - Naa, des derf doch net wahr sein! - Hat dich dein Hilderl net drüber lassen, weil´s wieder einmal Migräne g´habt hat, die fade Nock´n? Was du an der g´funden hast, hab i sowieso nie kapiert … und dann ist der Herr zur Nächsten gangen, die grad so bequem bei der Hand war - mei Ernerl, die Schlampn! -
ahh, meine Nieren haun mir wieder ins Kreuz - i muss mi hinlegen...

P
Da geht dir also doch noch was an die Nieren!
Aber du warst ja schon immer besser im Austeilen als beim Einstecken, ein schlechter Verlierer. Und die Erna brauchst aa net schlecht machen ...
Wenn ich denk, was DU so alles hinter ihrem Rucken aufg´führt hast. Bei der Hilde hast es ja auch einmal probiert, aber sie hat dich abblitzen lassen, hat mir´s auch brühwarm erzählt...
„Erstens ist sie a anständige Frau, hat sie g´meint, und zweitens tät´ sie sich mit so einem versoffenen Prolo schon gar net einlassen, net einmal wenn sie frei wär …

W
Bei mir hat´s ja praktisch zum G´schäft g´hört. In die Kreise wo i mi bewegt hab, war das ganz normal.. mein ganzes „Immitsch“ wär ja beim Teufel g´wesen ohne die ganzen Flirts, das derf ma net so eng sehn - aber du und die Erna, naa, das pack i anfach net, das darf doch net wahr sein ...

P
Jetzt sag bloß noch, du hast dich geopfert für Redaktion und Vaterland, als hätt´ dich wer `zwungen.
Du hast ja nie was anbrennen lassen, bist eh bei jeder gleich anlassig worden, so schiach hat die gar net sein können...

W
Wo san meine Tablettn, mir is total schwindlig...i glaub, die Pumpn draht durch...

P
(läutet nach der Schwester)
Bitte könnte jemand ins Zimmer kommen, ich glaub´, dem Herrn Weinzierl geht´s nicht gut!

S
Ja bitte, was ist denn los mit Ihnen? Kann ich Ihnen helfen?

W
(zur Schwester)
Naa, danke, es geht schon wieder -oder ja, doch, vielleicht hättens an Tee für mi - an Durst hob i - an unhamlichen Durst

S
Herr Weinzierl, Sie schauen aber doch ziemlich blass aus. Legen Sie sich einmal hin, wir werden zur Vorsicht gleich einmal den Blutdruck messen, und eine Blutprobe müssen wir Ihnen ja sowieso abnehmen, das gehört zur Aufnahmeroutine. Den Tee können Sie haben, aber ohne was drin, das sag ich Ihnen gleich!

W
(zur Schwester)
Sie wollen mi schon wieder zur Ader lassn? - muss das sein? - Sie wissen ja eh wie schwer bei mir die Adern zum finden san! - a Schnaps im Tee wär net das Schlechteste - aber da wird man ja mit G´walt zum Abstinenzler g´macht - Passen´s do auf mit der Nadel, Sie tuan ma ja weh! da soll ma net eingehn dabei...(jammert)

S
Seiens net so wehleidig Herr Weinzierl! - Is ja eh gleich vorbei!

W (zu P)
Und du bringst mi a no um mit deine Geständnisse - sitzt im Glashaus und wirft grosse Stana auf anständige Leut - möcht net wissen, was du sonst no trieben hast … Jetzt kommt mir überhaupt erst a Verdacht: Wer waaß ob de Mitzi wirklich von mir is? Vielleicht hast du mir aa noch a Kuckuckei g´legt, du komischer Vogel! Und ich Trottel zahl aa noch dafür!

P
Also das kannst mir net aa noch anhängen, weil soo blöd wie die is, kann sie gar net von mir sein, der Apfel fallt halt net weit vom Stamm!

W
(zur Schwester)
Hättens net für mein Nachbarn a a paar Spritzerln - der macht mi no fertig mit sein Reden - und so was lasst si no Professor schimpfen - a Sadist is er, a hinterfotziger! - A elegantes Spritzerl gebn´s ihm, Schwester, bitte, mit a bissl an Strychnin drin...

P
Ja, das tät dir so g´fallen, wenn mir die Schwester Rosi den goldenen Schuß verpasst, aber da kommst vorher noch du dran, weil die kennt dich scheinbar ganz genau. Jede Wette, dass du a Flascherl eing´schmuggelt hast ...

S
Was Sie da letztes Mal geliefert haben, Herr Weinzierl, war ja eindeutig gegen die Hausordnung. Wenn sowas noch einmal vorkommt, können Sie sich eine andere Klinik suchen. Wer sich mit Alkohol umbringen will, kann das von mir aus daheim machen, aber nicht hier bei uns!

W
Sans net ungerecht - wegn dem an Flascherl - des bissl Feuerwasser - a bessere Mundspülung - ausserdem bring is eh net obi - die Leber schafft´s nimmer - der Magn rebelliert - zum Sterbn is ma - und dann wird ma no herumkommandiert …

W
(laut zum P)
Du alter Meckerer - wennst nur von dir ablenken kannst - Speichellecker! - Blutspucker! - hast dein ganzes Lebn lang wiar a Schneck im Häusl glebt - immer schön in Deckung, nur net aneckn - aber i hob mi draussen durchsetzen müssn - allan gegen die ganzen Bonzen und Schranzen - a ewiga Kampf um das bissl Existenz

S
Blutdruck 190 - das ist natürlich viel zu hoch. Sie dürfen sich nicht aufregen, und vor allem müssen Sie sich beherrschen und mit der Trinkerei aufhören!
Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Na, der Herr Oberarzt wird sich freuen bei der Visite, wenn er Sie wieder mal begrüßen darf!

(geht hinaus, Türe knallt)

P
Na, da hast du´s - bist ja anscheinend schon Stammgast da, ein richtiger Promi.

Wie heisst´s doch so schön: Besser ein anonymer Alkoholiker als ein stadtbekannter Säufer!

W
Geh halt die Gosch´n! kannst mich, wenn´sd´ willst - ohne Alk geht halt nix mehr - so isses halt mit mir - schau lieber auf di´ selber, dei´ Husten war schon amal besser - und ziemlich mager bist worn, mei´ Freund, wiara Blattl Papier - (leise) Klopapier...

W
(ruft) Schwester! - Sie können mi aa… gern hab´n! - merken S´Ihnen das! - wär ja noch schöner, wenn i mi von so aner Tussi herumkommandier´n lassn tät - lebt von mein´ Geld und reisst die Pappn auf ... aah, gehts mir schlecht ... schwitzen tua i wiara Schwein... und zittern wia r a Sackl voller Kluppen...

P (hustet, keucht)
Na ja, des Husten macht mich schon fertig – aber immerhin macht man dabei Bewegung – das ist der einzige Wintersport, der für mich noch in Frage kommt. Viel Bewegung kannst du aber auch net g´macht haben in letzter Zeit … hast locker 10 Kilo zug´legt seit ich dich das letzte Mal g´sehen hab´ …

S
(Kommt mit dem Mittagessen)
So, meine Herren, da kommt schon die Stärkung – guten Appetit!

W
Ahh, der lukullische Leichenschmaus - die Henkersmahlzeit - wenn i den Apflschalentee nur riach, wird ma scho schlecht - und was sehen meine trüben Augen? - den unvermeidlichen gelben Batzen Erdäpfelpürree - schaut aus wie schon einmal g´fressen - dazu a winzig´s Stückerl flachsiges Fleisch - a richtiger Leckerbisen… Gehn´s, Schwester, werfens des Zeug gleich in den Mistkübel - mir is eh so schon schlecht g´nua ...oder gebns mein Teil dem Herrn Nachbarn, der is eh so mager - der kann´s besser brauchen - und dem schmeckts vielleicht sogar!

P
Nein danke, eine Portion ist für mich mehr als genug.
(schlürft einen Löffel Suppe, bekommt einen Hustenanfall)
Die Suppe ist ja total versalzen, wie sowas in einem Spital möglich ist!
Da soll man gesund werden - aber die Ärzte werden ja sowieso auswärts essen, da wett´ ich was!


W
Brauchst nicht glauben, dass es woanders besser ist; ich hab jedenfalls noch in kan´ Spital was Ordentliches gekriegt, überall der gleiche Fraß, und dafür soll man noch zahlen!
Das ist doch alles a gastronomische Mafia, das organisierte Erbrechen!

S:
Wenn ich Sie so anschau´, könnte Ihnen eine Fastendiät sowieso nicht schaden! Ich kann mir ja lebhaft vorstellen, was Sie sonst so alles in sich hineinstopfen!

W
Nur das Beste, liebe Frau Schwester, für mich war immer nur das Beste grad gut genug.

P
Hast ja auch wahrscheinlich kaum einmal selber dafür zahlt, ihr Gschaftlhuber von der Presse lasst´s euch ja überall groß einladen, weil sich jeder bei euch einschleimen will, damit er ka schlechte Nachred hat !

W (an P gewandt)
Du wollt´st mir ja immer schon ans auswischn; hintenherum hast gegn mi intrigiert, Leserbriefe gschriebn, hundsgemeine - als hättest die Gscheitheit mit´n großen Löffel g´schluckt!

P
Wir leben ja zum Glück noch in an´ freien Land, wo jeder sei´ Meinung sagen und schreiben darf, und euer Geschreibsel kann man ja nicht einfach so unkommentiert stehen lassen, aber ihr habt´s meine Leserbriefe ja sowieso meistens wegg´sschmissen oder z´sammeng´strichen!

W
Information is ja sowieso nur a Illusion – dir fehlt halt der Durchblick - wen interessiert schon die Wahrheit - immer a Schäuferl dazulegen oder a bissl was weglassn - Information is Unterhaltung …das ganze Lebn is a Reality-Show - das is es! - wir wollen verkaufen, net moralisieren !

P
Verkaufen! Das ist es! Du tät´st ja sogar dei eigene Großmutter verkaufen, wenn sie dir wer abnehmen möcht´. Du hast dich schon immer zu billig verkauft, warst eigentlich ein ganz talentierter Bursch, aber was hast draus g´macht?
Und was eure Auflagenzahlen angeht, sind die sowieso falsch, und ohne die nackaten Weiber auf der 5. Seit´n und die Callgirl-Inserate wärn´s wahrscheinlich net amal halb so hoch! Wenn der Standard die Zeitung für Leser ist, dann seid´s ihr die Zeitung für Bildlschauer, so a Art Playboy für Arme - eigentlich schad um´s Papier, wenn man sich´s so überlegt ...

W
Mir san halt a Universalzeitung - für jedn is was drinnen - für die alten 68er lass´ma zum Beispiel den alten Nenning schreibn - a Gedichterl für die Lyrischen - an Busen für die Geilisten - vü Sport - Fernsehen und Film - die Stars und ihre Affären fürs Herz! - a Sprachrohr für die Kirchn san ma genauso - uns lesen´s aa am Häusl, wir san halt das Blatt für alle Lebenslagen!

P

Aber sogar dafür is euer Scheissblattl no vü´ z´glatt, net einmal da tät ich´s verwenden!

W
Die andern Zeitungen schreibn zwar viel Gscheites, aber ka Hund liests - und ohne unsere Volksbegehren wär´ bei uns überhaupt nix weitergangen … Wir schreiben halt täglich alles das, was der "Kleine Mann" denkt!

P
Wenn er sich übehaupt was denkt! So schauts ja auch aus! Wenn´sd´ damit meinst, dass jedes Volk die Zeitungen und die Regierung kriegt die es verdient, kann ich dir nur Recht geben. Die organisierte Volksverblödung ist ja eh schon durchs Fernsehen perfekt, und so lang einer wenigstens noch die Schlagzeilen von eurem Blattl entziffern kann, ist ja sogar noch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber wenn ich an die Deutsch-Aufsätze an meiner Schul´ denk, seh´ ich schwarz für die Zukunft. Wenn da einer ein dreizeiliges SMS ohne Fehler z´sammenbringt, muss man schon zufrieden sein!

W
Du bist ja nur ein Obizahrer, der alles schlecht macht und nix gelten lasst.

Das ist halt der Unterschied zwischen uns zwa: Für di ist das Glasl immr nur halb leer,
während´s für mi halb voll is!

P
Halb voll? Das soll wohl ein Witz sein! Bei dir ist das Glasl immer randvoll g´wesen,
und wenn net das Glasl, dann sicher du!

W
Immer hackst auf mir herum - kana is ohne Fehler, net amal du - sei doch ehrlich und bild dir nur nix ein! Was glaubst wie oft i aufhören wollt mit der Sauferei, aber es is halt stärker als i ..
Sag bloß du hast dich da leichter tan … aah, meine Niern spieln wieder varruckt - die Schmerzn
(Das Handy von W meldet sich mit einem aufdringlichen Klingelton)

W
Wer stört? Ah so, Sie sind´s - naa, hören´s, mir geht´s grad nicht so gut, ich ruf Sie später zurück, in Ordnung? Ciao.

P
Das hätt´ ich mir ja denken können, dass du aa so ein Spielzeug dabei hast!

W
Spielzeug! - hast du a Ahnung! - I leb davon, das is sozusagn meine Nablschnur zur Welt - wichtig is, dass i mein Gschäft damit machn kann.

P
Eine Landplag´ san die Dinger, breiten sich aus wie a Seuch´n, nirgends hat man mehr seine Ruh. Jeder Trottel glaubt jetzt schon, er muss ein Handy haben - ein lächerlicher Ausdruck übrigens, so a Pseudoenglisch, das ein Engländer oder Amerikaner gar net versteht, der schaut dich nur blöd an und weiß net was du meinst, weil das bei denen in Wirklichkeit ein Mobile Phone ist, aber Hauptsach mir san cool! Das Wort is ja so blöd, des könnt´unser Arnie Schwarzenegger erfunden haben. Der kann nämlich no immer net richtig Englisch, Steirisch hat er verlernt, und Hochdeutsch hat er in sein Leben nie g´redt!

W
Du bist doch a echter Hinterwäldler wordn - ein richtiger Weltverdruss! Was interessiern mi die Amis oder Engländer - cool hin, cool her - is ma do Wurscht, wie man zu dem Zeug sagt - Hauptsach es funktioniert - und je mehr Trottln so a Handy habn, umso mehr Gschäft kann ma damit machen.

P
Also ich muss das sicher net haben, bin froh wenn ich von niemand was hör und seh, die Hektik in der Schul reicht mir schon. ...
Das ist was für Leut´, die sich so wichtig vorkommen, dass sie rund um die Uhr erreichbar sein müssen, die glauben, dass es ohne ihnen gar net geht, weil s´ Schnittlauch auf jeder Supp´n sein woll´n...
und die aa so ein riesiges Mitteilungsbedürfnis haben und ihre genialen Einfälle auf die ganze Menschheit loslassen müssen ... Und wenn man denen dann unfreiwillig zuhört, wo man eigentlich im Kaffeehaus nur in aller Ruh seine Zeitung lesen möcht, weiß man net, ob man lachen oder weinen soll bei so viel Stumpfsinn! Früher hab ich ja manchmal Vermutungen über irgendwelche fremde Leut´ ang´stellt, so nach die G´sichter ... aber jetzt braucht nur einer neben dir im Bus den Mund aufmachen, und du weißt schon, dass der ka Genie sein kann ... oft reicht´s ja sogar schon, wenn man die Klingeltöne hört ... Der Mozart muss ja rotieren in seinem Armengrab ...

W
An deiner Stell hätt i mir schon längst die Kugel gebn - überall hast was zum Aussetzen - i hab mi halt mit der Welt arrangiert - du hast immer nur dei´ Ruah habn wolln - die wirst ja jetzt eh bald habn - aber was hast eigentlich vom Lebn g´habt? -
Guat, i bin viel beschissen wordn - aber i hab´s an jeden ham´zahlt - Rache ist süß, mein Lieber … ha, die habn schön gschaut manchmal, wenn ich ihnen a Hackerl ins Kreuz g´haut hab, ganz unverhofft von hint´n ...

P
Ich war halt immer ein grader Michl, bei mir weiß jeder wie er dran ist, aber du warst immer schon ein falscher Fuffzger, wie du dich immer bei unsere Profs eing´weinperlt hast und die Kollegen vernadert und die Noten fürs Zeugnis aussag´schunden ... und hinterm Ruck´n hast dir die Gosch´n zerrissen über die naiven Typen .. Aber die meisten in der Klass haben dich eh durchschaut und dir oft gnua eine Abreibung verpasst .. i hab´s dir vergönnt, das kannst mir glauben ...

W

Jaja, i hab viele Watschn kriegt - aber der Erfolg hat mir recht gebn , auf mei´ Tour kommt man halt eher weiter als du mit dein´ Sturschädl!
Erinnerst di noch an den King Kong, den fetten Hund mit seiner Bande, wie´s die halbe Klass terrorisiert haben? Auf di haben´s es eh mindestens genau so abg´sehn g´habt wie auf mi… Und was glaubst, wer da 10 Jahr später bei uns in der Redaktion auftaucht und will an Job als Fotograf haben? Natürlich hab ich ihm die Tour vermasselt, unserem Chef Bescheid g´sagt was das für ein Arschloch ist, und dazu noch blöd wie die Nacht, zweimal sitznblieben, und net amal für die Matura hat´s g´reicht ..
Aah, der Kreislauf macht mi noch ganz fertig …sobald i mi aufsetz´ , draht´s mi wia r a Ringelgspiel ....

P
Erfolg? Was verstehst du unter Erfolg? Bist du dafür 8 Jahr im Gymnasium g´hockt und 3 Semester auf der Uni, damit´sd bei so an Schmierblattl a zweifelhafte Karriere machst? Ich weiss ja net genau, was du du dort verdienst, aber so viel könnten mir die gar net zahl´n, dass ich mich für so was hergib ... Die Finger tät i mir eher abhacken lassen, bevor ich so was schreib ...

W
Ha, du musst reden - Studium - Lehramt - immer schön brav geradeaus und buckeln- dann habens di loslassen auf die Kinder - ein Pauker wie er im Büchl steht - immer denselben Quargel verzapfen - was du Schmierblattl nennst, is eigentlich a geniale Mischung.Und als Journalist muasst fix sein und auf Draht - an Riacher haben für gute G´schichten - die Leut´ aufs Maul schaun - das Gras wachsn hörn... aber a Lehrer, das is so wie a lebendige Leich´ - immer nur warten auf die Ferien und dann die Pension - das Einzige, was euch Burschen noch interessiert ..

P
Hast du a Ahnung! Du plapperst ja nur die Vorurteile nach, die am Biertisch so verzapft werden ... Der ewige Neid wegen die Ferien und dem freien Nachmittag ... aber dass wir oft bis spät in die Nacht oder das ganze Wochenend Hefte korrigieren, wo andere schon längst auf der faulen Haut liegen, das ist Leut´ wie dir ja egal ... Und dass unsere Nerven täglich durch die ganzen G´störten und Depperten strapaziert werden, denen wir was eintrichtern müssen, während irgendwelche Sesselfurzer g´mütlich im Büro sitzen und Kaffee trinken ... Aber fast noch schlimmer als die Schüler sind ja eigentlich die lieben Kollegen: So ein Konferenzzimmer ist a Schlangengruab´n, das kannst du dir net vorstellen!!

W
Das kann i mir sogar sehr gut vorstellen, i kenn´ ja außer dir noch g´nua verruckte Lehrer, allein die von meine Kinder, die Besuche in die Sprechstunden waren ja jedesmal wie a Geisterbahn, die haben ja alle an Sprung in der Schüssel ... Ich hab aa so a Statistik g´lesen, in die Nervenkliniken sitzen auffallend viel Patienten aus der Lehrerschaft ... A Psychiater hat sogar einmal zu mir gsagt´: Wissens, Herr Weinzierl, Lehrer, das ist keine Berufsbezeichnung, das ist eine Diagnose!

P
Dabei sind diejenigen, die in der Psychiatrie oder auf der Couch landen, gar nicht einmal die Schlimmsten! Viel ärger sind die ehrgeizigen G´schaftlhuber, die in einer Partei mitmischen und auf einen Direktorsposten spekulieren, die dafür ihre Kollegen bespitzeln und verleumden, die Noten verschenken oder sich gar bestechen lassen, oder mit die Eltern packeln gegen einzelne Kollegen, nur weil´s ihnen unsympathisch sind oder bei der falschen Partei ... Solidarität unter die Lehrer? - vergiss es !!

W
I könnt dir aa Lehrer nennen, wo sich manche depperte Mutter auf die Matratz´n legen muss, nur damit das Buberl oder das Töchterl an Einser oder kan Fleck kriegt - a Saubande san die Lehrer, sag i dir!

P
Was heißt Mutter? Da gibt´s genug Schülerinnen, die sich so über die Runden bringen und ihre einzigen Talente auf die Art einsetzen … Wenn ich drauf aus g´wesen wär, ich kann dir sagen …. Aber trotzdem wollten mir dann solche G´fraster was anhängen, obwohl ich ganz unschuldig war … oder eigentlich sogar weil ich auf das Spiel net eingangen bin … Hab beim Inspektor aufsalutieren können und hab den Hals grad noch irgendwie aus der Schlingen zog´n .. Aber glaubst es entschuldigt sich dann nachher einer bei dir wegen die falschen Verdächtigungen? Naa, im Gegenteil, es bleibt immer was an dir hängen … (hustet, keucht, schnäuzt sich)

W
Bist ja selber schuld, hast di ja freiwillig auf den Hirnputzbetrieb einlassen- außerdem is die Taktik ganz im Sinn von unserem Blattl - irgendwas muss immer hängen bleibn - und a bissl was geht immer...

P
Ja, das schaut dir ähnlich! Ihr Schmierfinken seid´s ja skrupellos, ihr geht´s über Leichen, und es ist euch total Wurscht, wenn einer dabei unter die Räder kommt ... Ihr habt´s doch vor ein paar Monat über so einen Fall was `bracht ... war a Riesen-Skandal, wie ihr das aufbauscht habt´s, a richtige Hexenjagd ... Unschuldsvermutung ist für solche Schreiberlinge wie dich ja ein Fremdwort ... Ka Wunder, dass sich der arme Hund dann hamdraht hat ... da könnt´s stolz drauf sein! Aber irgendwann kriegt jeder seine Rechnung präsentiert - wenn net in dem Leben, dann halt im nächsten!

W
Wann so a frustrierter Lehrer a Madl angrapscht und vernascht - das is halt a tolle Story - da kann ma was machn draus - bringt a paar tausend Leser mehr - Sex and Crime - das waaßt ja eh - a bissl muss ma halt nachhelfen - die Fantasie anregn bei die Leut - habn eh alle a schmutzige Fantasie - er war ja selber schuld, der Tepp - was lasst er sich auch von dem Flitscherl einwickeln - dann hat er ihr noch angeblich bei sich daham Nachhilfe geben- Ha, das kann i mir vorstellen, was er ihr da beibracht hat … da kann i nur lachn - Für mi war das natürlich a g´fundenes Fressen, hab sogar a Sonderprämie kriegt dafür - aber umbringn hätt er si deswegen net brauchn, der Dolm - wär schon wieder Gras drüber gwachsn...

P
Aber über ihn wachst halt jetzt wirklich das Gras drüber… Und das Leben geht weiter, als ob nix g´wesen wär … Aber für dich wird´s aa net mehr gar so lang weitergeh´n, das ist dir eh klar! Ich waaß eh, dass du an nix glaubst, aber sogar du wirst dran glauben müssen, da wird´s dann a böses Erwachen geben, Heulen und Zähneknirschen … Das mit Höll und Fegefeuer ist natürlich a Blödsinn, aber irgendwie muss dann jeder die Supp´n auslöffeln, die er si einbrockt hat … und du hast wirklich gnua auf´m Kerbholz!

W
Willst mir unbedingt ein schlechtes G´wissen einreden? Was hab ich denn schon g´macht? Ich wollt´ ja eh immer nur das Beste, aber in so einer Welt kann man halt seine Ideale schnell vergessen …. Man muss schon a Trottel sein, wenn man da noch an Hergott glaubt … Und wenn´s an gibt, dann haut er dir eh immer nur ein Hackl ins Kreuz … Aaaah, jetzt geht des schon wieder los, ich halt das net mehr aus ….

P
Ich glaub dir eh, dass d´ a reines G´wissen hast, neuwertig sozusagen … weil´s du´s praktisch nie benutzt hast nämlich … Und dass du immer nur das Beste woll´n hast, stimmt aa irgendwie: Das Beste, aber nur für dich selber ! Aber auf die anderen hast g´schissen, wenn s´dir net von Nutzn war´n!

W
Was lass i mi von dir die ganze Zeit sekkieren - immer deine hinterfotzigen Bemerkungen - is mir doch wurscht, was du von mir und mein Lebn haltst- für mich is jetzt viel wichtiger, was da auf mich zukommt - womit hab ich das verdient - ahh, wia des ziagt im Bauch - Verrecken wie a Hund kann ma da, und kaner hilft an … das kann ka Gott sein, der so was zulasst - Dein „lieber“ Gott, den kannst vergessen - und der Papst und seine ausgfressenen Bischöfe, wenn i die schon seh… Und du hast doch sicher oft bet´ und g´hofft dass er dir hilft … aber was hat´s dir g´nutzt? Du wirst genau so draufgeh´n wie i …. Mei, i derf mi net aufregen, mir wird´s ganz schwarz vor die Augen … Geh ruf mir die Schwester, Pfeifi - i glaub, i werd ohnmächtig

P
Schwester, bitte kommen´s schnell, der Herr Weinzierl ist kollabiert … Na, was du aufführst …jetzt siehst wasd´ davon hast, wennsd´ so lästerst !

S
Was ist denn jetzt schon wieder?
ist ja sowieso alles umsonst bei Ihnen, Herr Weinzierl! - werden wir halt mit Distraneurin arbeiten bei Ihnen - da werden Ihnen Ihre Spassettln schon vergehen... ein Spritzerl könnten wir halt noch probieren...

W
Danke, Schwester, i sag ja eh immer, dass Sie a guate Fee san - jetzt gehts mir wieder besser - die Spritzn war super - die Distraneurin könnens lassen - die bringen mi eh nur um und helfen an Dreck - aber schauns amal zu mein Nachbarn - der spuckt aa schon die ganze Zeit, dass an schlecht werden könnt - schnauft wie a Dampfpfeifn, der Pfeifenberger - naja, er haaßt net umsonst so - wirds a nimmer lang derpackn, wenns so weiter geht.

P
(hustet, keucht)
Das werd´n ma schon seh´n, wer von uns zwa früher den Löffel abgibt ... Na, Schwester Rosi, auf welchen von uns zwei täten Sie denn setzen?

S
Also, Herr Pfeifenberger, ich muß schon bitten! In solche Streitereien lasse ich mich nicht hineinziehen ! Sie sollten sich beide schämen und lieber vertragen, statt dass Sie sich da noch gegenseitig ärgern! Das Leben ist doch so schon schwer genug!

W
Du hoffst ja, dass di beim Einreiten im Himmel mit Pauken und Trompetn empfangen- aber da wird si nix rührn!
Weil den Himmel gibts nämlich net - da kannst sicher sein - alles Chimäre von dein kranken Hirn...

W
Schwester, gebns dem Herrn lieber a mal a Feuerwasser statt die ganzen Pulverln - dass er a bissel gscheiter wird …

P
Schwester Rosi, hören´s gar net hin, lassen´s den , der ist a hofnungsloser Fall, in jeder Hinsicht!

S
Ja, ich glaub schön langsam auch, ich verschwende da nur meine Zeit. Ich muss mich ja auch noch um andere Patienten kümmern, die kooperativer sind und mehr für ihre Gesundheit tun! (geht ab)

P
Also wenn du net so a abschreckendes Beispiel wärst, wie sich der Alk aufs Hirn schlagen kann. Ich trink ja selber ganz gern ab und zu a Glaserl, aber blöd saufen wie du tät i mi net!

W
Was, du haltst MI für blöd?? I bin a hoffnungsloser Fall??
Bist ja nur eifersüchtig und neidisch , a aufblasener Siebeng´scheiter bist - Bei die anderen weißt immer alles besser - nur in dein eigenem Lebn hast nix zammenbracht Aber das hast aa net g´wußt, dass i dir damals bei deiner Bewerbung zum Direktor a Haxl gstellt hab - Solche Leut wie di darf man nämlich net hochkommen lassen, was du da sonst aufg´führt hätt´st …

Wahrscheinlich hast mir in mein Tee was einig´mischt - weils mir gar so schlecht geht- ahh, i glaub, mein Schädl platzt - du Mörder...ahh, du Arschloch - ..ahh, mir wird´s so flau, mir verschwimmt alles vor die Augen …

P
(hustet, keucht)
Du Trottel, wann hätt ich dir denn was einischütten sollen, und wo hätt ich´s denn herg´nommen auf die Schnelle?
Aber wenn ich so könnt´ wie ich wollt´, meiner Seel, DIR tät ich was antun! Der Schlag soll dich treffen, du blöder Hund, du unnötiger!

W
Du Depp! Sogar zum Vergiften bist noch z´blöd ….
(stöhnt und röchelt, stirbt)

P
Fredi, heast was ist denn los mit dir? Das gibt´s doch net , der rührt sich überhaupt net, und der glasige Blick … das muaß a Herzkasperl sein …. Und i hab ihm noch den Tod auf´n Hals g´wunschen … Schwester ! An Arzt ! Ich glaub, den Weinzierl hat´s erwischt!

S (stürzt zur Tür herein, fühlt Weinzierls Puls)
Da ist nichts mehr zu machen, er muss sofort tot gewesen sein. Wer weiß, was ihm dadurch alles erspart geblieben ist, so eine Leberzirrhose im Endstadium ist auch kein schöner Tod …

P
Er war ja wirklich ein unmöglicher Typ, aber dass es soweit hat kommen müssen! Und ich bin schuld, hab ihn dauernd geärgert und ihm sogar gewünscht, daß ihn der Schlag trifft! Aber das wollt´ ich doch gar nicht wirklich, Ehrenwort, das müssen´s mir glauben!

S
Jaja, Herr Pfeifenberger, jetzt regen Sie sich nicht auch noch auf. Nehmen´s lieber was zur Beruhigung. Ich hab´s ja fast geahnt, dass was passieren wird, aber dass bei uns so schnell wieder ein Bett frei wird …



ENDE




   


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